Deutschland ist, wir wissen es alle aus leidvoller Erfahrung, sicherlich kein Breitband-Standort. Doch bei einem Kunden erleben wir gerade eine bürokratische Absurdität, bei der man sich nur an den Kopf fassen kann.

Unser Kunde hat neu gebaut, zentral in der Stadt. Ein neues Gebäude benötigt auch einen Telefon- und DSL-Anschluss. Ansprechpartner ist der Bauherrenservice der Telekom. Erst wenn die physische Leitung geschaltet und in den IT-Systemen dokumentiert ist, kann eine Telefonanbieter beauftragt werden, die Leitung auch zu belegen.

Eigentlich war die Schaltung der Leitung zum 1.8.2020 zugesagt. Die Bauleitung hatte alles beauftragt, Leitungen lagen im Boden, alles hätte pünktlich funktioniert. Doch dann – geschah nichts mehr. Rückfragen durch die Bauleitung bei der Telekom führten zu Antworten, dass Baubesprechungen wegen der Leitung stattfinden würden, ein Grund für die Verzögerung wurde nicht angegeben.

In der Zwischenzeit haben wir den Kunden am Standort mit einer LTE-Anbindung, diese war glücklicherweise in genügender Bandbreite verfügbar, versorgt. Telefongespräche werden über Rufumleitungen vermittelt.

Vermutlich hat sich ein Mitarbeiter der Telekom „versprochen“ als er offenbarte, dass die Leitung im Schaltkasten am Straßenrand nicht geschaltet werden könne, da dieser durch einen Bauzaun abgesperrt sei.

Das wollten wir uns ansehen. Auf dem Nachbargrundstück wird auch gebaut. Und richtig: Ein Teil des Bürgersteiges ist durch einen Bauzaun abgetrennt und hinter dem Bauzaun, am Rande des Bürgersteiges, steht der Anschlusskasten der Telekom:

Es wäre einfach, ein Element des Bauzaunes zu öffnen und die Leitung im Kasten zu schalten.

Außerdem ist der Bauzaum wenige Meter neben dem Schaltkasten offen. Ein Techniker könnte problemlos zum Schaltschrank gehen, diesen öffnen (der Platz zwischen Schaltschrank und Bauzaun ist ausreichend) und die die Leitung schalten.

Doch Pragmatismus ist hier offensichtlich nicht nur ein Fremd- sondern ein Un-Wort. Wegen des Bauzaunes kann die Leitung nicht geschaltet werden. Statt dessen gibt es regelmäßige Baubesprechungen… Wollen wir so in der Weltwirtschaft bestehen? Oder sollten wir als IT-Dienstleister den Schrank einfach öffnen und die Leitung selber schalten? Leider wäre das eine Straftat. Aber vielleicht sollten wir uns als Sub-Unternehmen um die Schaltungsaufträge der Telekom bewerben. Vielleicht bekämen wir dann ja genau den fraglichen Auftrag zugeteilt…

Von Dr. Martin H. Ludwig

Dr. Martin H. Ludwig ist Geschäftsführer der ima GmbH, leidenschaftlicher IT-ler und Datenschutzexperte. Wenn er Zeit findet, schreibt er über IT-Probleme oder -Besonderheiten im Blog.

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